Mike Svoboda Quartet - 14 Versuche, Wagner lieben zu lernen

Mike Svoboda Quartet - 14 Attempts to love Richard Wagner

Musik von Richard Wagner und Mike Svoboda, Texte von Thomas Mann, Filippo Tomaso Marinetti, Friedrich Nietzsche, Camille Saint-Saëns, Erik Satie und Richard Wagner

mit 
Aleksander Gabrys- verstärkter Kontrabass, Stimme, Melodica
João Carlos Pacheco - Schlagzeug, Stimme, E-Gitarre, Akkordeon
Karolina Öhman - verstärktes Cello, Stimme und Melodica
Mike Svoboda -Posaune, Stimme, Mundharmonika, Megaphon, Bearbeitungen und Komposition 

Programmfolge
Two steps forward - one back (Text: F. Nietzsche)
Erste Begegnung - Michaels Arie (Text: Friedrich Nietzsche)
Mix and Match
T-chord (Text: C. Saint-Säens)
Liebestod
Tangotanztees (Text: Fillipo Tomaso Marinetti)
Punching Bag
Dynamite - Mike's Aria (Text: Erik Satie)
Die Werkeinführung (Text: Thomas Mann)
River Run
Static Cymbal - Scott's Aria (Text: Friedrich Nietzsche)
Ballast

Dauer: 80 Minuten ohne Pause

Auftragskomposition des Südwestfunks. Die Uraufführung fand statt am 2. Februar 2002 im Rahmen des ECLAT Festivals Stuttgart.

CD: Mike Svoboda: do you love Wagner?

svoboda: 2 up 1 down (excerpt)

svoboda: tango tea parties

svoboda: love-drift

Pressestimmen

Als vitales Maskenspiel zwischen Wagner, Neutönerei, Jazz- Rock- und Popmusik mit kurzen Texten "für, gegen und von Wagner" entpuppten sich die handwerklich brillanten, experimentierfreudigen "14 Versuche, Wagner lieben zu lernen" des amerkanischen Posaunisten und Komponisten Mike Svoboda, eine als "Adult Entertainment" annoncierte Collage ohne stilistische Scheuklappen, die Svobodas Quartett kongenial vom Stapel ließ.- Frankfurter Allgemeine Zeitung

Höhepunkt des Eclat-Festivals Neue Musik in Stuttgart: Mike Svoboda kratzt am Mythos Richard Wagner - Publikum tobt vor Begeisterung ... Begeisterung in der Fülle von Uraufführungen rief "Richard Wagner: Adult Entertainment oder 14 Versuche, ihn lieben zu lernen" hervor. Das Werk bezieht seinen Charme aus der Unbefangenheit, mit der Mike Svoboda, der Amerikaner - mit Wahlheimat Tübingen - sich dem deutschen Ungetüm Wagner nähert. ... Neben einer Reihe Zitate, wie dem Surrealen Erik Satie und dem Futuristen Marinetti, hat sich der komponierende, rezitierende Schelm Svoboda drei Komplizen mit ins Narrenschiff geholt: Scott Roller (Cello), Wolfgang Fernow (Kontrabass), Michael Kiedaisch (drum set). Gleichermaßen Grenzgänger zwischen Klassik, Jazz, Funk, Rock und mehr, setzen sie technisch versiert und improvisationsgeschult bei der Demontage bekannter Motive aus Lohengrin, Meistersinger und Tristan ihre Stimmen sowie ein Instrumentarium aus Melodica, Mundharmonika, Akkordeon kongenial ein. Svoboda, der Musiker mit dem spitzbübischen Lachen, hat eine Vorliebe für Kontraste - schon sein musikalischer Hintergrund von Frank Zappa bis Karlheinz Stockhausen belegen dies. Die heiß-kalte Mischung aus unschuldig zauberhafter Musik mit Herzschmerzwirkung, unterfüttert mit fettem Groove und konterkariert von operettenhaften Rezitativen übers Megaphon, bringen das Publikum zum Toben. Mit Wagner - "meine Gutsten, noch ein bisschen leidenschaftlicher!" hat Svoboda einen Knaller geschafft, womit schließlich das Festival seinen Namen Eclat zu Recht trägt und Marinettis Befürchtung: "Ist der Tango schon schlimm, so ist der Parsifal schlimmer, denn er impft den vor Schlaffheit wankenden Tänzern auch noch eine unheilbare musikalische Neurasthenie ein" Lügen gestraft, denn so vital war das Publikum bei Neuer Musik nie. - Heilbronner Stimme


Parsifal trifft Velvet Underground "14 Versuche Wagner lieben zu lernen", nennt Svoboda sein neues Programm. Um zu beweisen, dass man mit der Musik des "Ring"-Komponisten auch einen lustigen Abend bestreiten kann, braucht es neben der virtuosen Beherrschung eines oder mehrerer Instrumente vor allem Improvisationsgabe, Spontaneität und einen großen Sack voller Humor. Dies alles besitzt der in Dettenhausen lebende Posaunist Mike Svoboda im Übermaß. Ganz nebenbei ist er noch Weltklasse-Bläser und vielbeschäftigter Komponist.... Ein köstlich unterhaltsamer, mit brüllender Komik angereicherter Abend, der nach 90 Minuten, zwei Zugaben und fast schon frenetischem Applaus ein ausgelassenes Ende findet. Die Musiker haben mehr als bewiesen, dass man sich der Musik des Bayreuther-Festspiel-Gründers auch ganz anders nähern kann. Gäbe es mehr ernsthafte Konzerte mit solchem Humor, die klassische und Neue Musik erlebten vermutlich einen wahren Boom - auch und gerade unter jüngeren Hörern. - Reutlinger Nachrichten

Wie Svoboda und Co. im Sudhaus Wagner lieben lernten: Auf trivialen Jux, wie etwa den Walkürenritt in einer Fassung für acht Blockflöten, verzichtet Mike Svoboda's Adult Entertainment bei den "14 Versuchen, Wagner lieben zu lernen". In Quartettformation gelingt eine verblüffend genaue, alle wesentlichen Merkmale herausarbeitende Darstellung der schmachtenden "Tristan"- Musik. Wabern von Streicherfiguren, zarte Holzbläserstimmen, die sich chromatisch-sehnsüchtig von Vorhalt zu Vorhalt hangeln, ohne doch den Zielton zu finden. Sinnenkitzelnd aufreizendes Vorspiel, das fast nie zur Erfüllung, zur konsonanten Auflösung findet....Scott Roller und Wolfgang Fernow, Michael Kiedaisch und Mike Svoboda griffen hinein ins Wagner-Material, setzten es neu zusammen und drehten es zuweilen frei improvisierend durch die Mühlen von Jazz- und Pop-Stilen. Mittendrin gestand Svoboda singend seine bislang geheime Liebe zu Wagners Musik, aparterweise mit dem Song "Secret Love" aus dem Western-Musical "Calamity Jane", irgendwie eine amerikanische Cover-Version des Walküren-Typus. Roller behandelte dazu das Cello perfekt als Rhythmus-Gitarre, übernahm dazu mit Fernow und Kiedaisch den Background-Chor. Sehr zum Gefallen des Publikums wurde dies Bekenntins als Zugabe wiederholt: "Now I shout it from the highest hill / even told the golden daffodil" (Nun ruf ich's vom höchsten Hügel / erhählt' es gar der goldnen Glockenblume). ...Kurze Zitate galten Nietzsches Wagner-Verehrung wie der späteren Verachtung: einen antinationalistischen Wagner-Scherz von Erik Satie las Svoboda mit Gusto, ebenso die mit farbigen Schimpfkanonaden glänzende Polemik von Marinetti. "Tango ist schon schlimm. Parsifal ist schlimmer", hieß es, gefolgt von einer Passage über die erotischen Implikationen, nur für Erwachsene. Ein rezitatorischer Höhepunkt war der Anfang aus Thomas Manns großem Essay, den Svoboda mit dem Anschein bemühter Feierlichkeit, aber auch Verständnislosigkeit versah. Sein artiger, leichter amerikanischer Akzent verfremdete die schwer-lastenden, langsam vorgetragenen Sätze: "Leidend und groß, wie das Jahrhundert, dessen vollkommener Ausdruck sie ist, das neunzehnte, steht die geistige Gestalt Richard Wagners mir vor Augen...".... Geistreich und unterhaltsam gelang ihm und  seinen virtuosen Mitspielern - oder soll man sagen Mittätern - die  musikalische Bearbeitung des Wagner-Materials. Das Publikum klatschte begeistert, bewährte sich bei der zweiten Zugabe als Meistersinger auf der Silbe "la", bewältigte das unschuldig-schlichte Dreiklangs-Eröffnungsmotiv überaus sicher und folgte, dirigiert von Roller und Svoboda, auch den bescheidenen rhythmischen Abstufungen. - Schwäbisches Tagblatt

Die unterhaltsamste Aufführung jedoch gab es im zweiten Konzert zu vormitternächtlicher Stunde. Zwar mögen sich puristische Wagnerianer entsetzt abwenden, doch der Musikkenner hatte seine Freude daran, die ganz offensichlich von den Ausführenden geteilt wurde. "Adult Entertainment" nennt Mike Svoboda seine 14 Versuche, Wagner lieben zu lernen". Eine gute Stunde lang wird Richard Wagner förmlich seziert und gegen den Strich gebürstet. "Lohengrin" und "Tannhäuser" kommen im Jazz-Outfit daher, der berühmte "Tristan"-Akkord wird auf Melodica, Akkordeon und Mundharmonika gespielt. Und Parsifal erscheint hier als Tango, echte Rezitative werden gesungen und gesprochen. Kombiniert werden die Wagner-Zitate mit Texten Wagners, Nietzsches und Thomas Manns. Dann singt Mike Svoboda, und seine drei Kollegen - Scott Roller (Cello), Wolfgang Fernow (Kontrabass) und Michael Kiedaisch (Schlagzeug) - machen den Background-Chor. Am Ende ist nicht ganz klar, ob Mike Svoboda wirklich gelernt hat, Wagner zu lieben. Aber er hat ihm Unterhaltungswert abgewonnen und ist damit seiner eigenen Devise des "Adult Entertainment" gerecht geworden. Das Publikum tobte jedenfalls förmlich vor Begeisterung. - Stuttgarter Zeitung

Ganz anders war der Eindruck bei Mike Svobodas "Adult Enterainment"-Projekt mit dem verführerischen Titel "14 Versuche Wagner lieben zu lernen". Mit Ironie und Esprit bot der amerikanische Posaunist mit seinem jazzigen Quartett einen ganz persönlichen Zugang zum Bayreuther Meister. Hatte man zunächst den Eindruck, Svoboda würde bei "Lohengrin" und "Meistersingern" sich im Stil von Jacques Loussier in ausgelatschte Crossover-Fußstapfen treten, wurde die biografisch-rezitativisch-musikalische Konfrontation mit Wagner von Stück zu Stück komplexer und vergnüglicher. Der Tristan-Akkord ("T-Chord"), vom vorzüglichen Cellisten Scott Roller und vom Kontrabassisten Wofgang Fernow auf Melodicas geblasen und vom Drummer Michael Kiedaisch auf dem Akkordeon gejauchzt, war genau so originell wie die "Tangotanztees" zum futuristischen Text Marinettis anderen flott und abgründig musizierten Wagnermotiven zu Textcollagen von Nietzsche, Satie und Thomas Mann. Bei Tannhäusers Pilgerchor ("Ballast") zum Schluss durfte dann auch das Publikum lauthals mitsingen. - Esslinger Zeitung

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