Mike Svoboda Quartet - My God Mozart!

Mike Svoboda Quartet - My God Mozart!

"My God Mozart!" - über die Vergötterung eines Genies (2002)
mit Musik von Wolfgang Amadeus Mozart und Mike Svoboda sowie Texten von da Ponte, Stendhal, Ingo Ahmels und Textbearbeitungen von Wolfgang Hildesheimer und Elvis Presley

gespielt vom Quartett DJ Cherubino
Lou Simard - Gesang, Geräusche und Plattenspieler
Frank Kuruc - E-Gitarre 
Michael Kiedaisch - Schlagzeug, Akkordeon und Gitarre
Mike Svoboda - Posaunen, Gesang, Bearbeitung und Komposition


Programmfolge

Vorspann - Musik/Text Svoboda
Ouvertura - Musik W.A. Mozart
Si, si moro - Musik/Text Svoboda
Zwischenspiel - Text Goethe "Wir traten ans Fenster"
Der Odem der Liebe - Musik W.A. Mozart, Text: Da Ponte
Zwischenspiel - Text Anonymus "Ich habe mir gedacht, ich schreibe Dir mal..."
Ah guarda - Musik W.A. Mozart, Text Da Ponte
Zwischenspiel - Text Ahmels "Elvis"
Che bella giornata- Musik/Text Svoboda
Per pietà - Musik Mozart, Text Da Ponte
Zwischenspiel - Text Ahmels, "Roundabout Hildesheimer"
A little reaction - Musik Svoboda
Vroom - Musik Svoboda
Non si vide - Musik/Text Svoboda

Dauer: 90 Minuten ohne Pause

Ein Kompositionsauftrag des Nationaltheaters Mannheim und der ART & STAGE GmbH, Freiburg. Die Uraufführung fand am 07.12.2002 im Rahmen der 2. Mannheimer Mozartwoche statt. Die zitierten Lieder "Das erste Mal tut es noch weh" ( in Mickey & Minnie)  ist von Olli P und "Love Letters" (in Che bella giornata") ist von Heyman-Young.

svoboda: vroom (excerpt)

mozart/svoboda: per pieta (excerpt)

Pressestimmen

..Mit der Uraufführung von Mike Svobodas Singspiel über die Vergötterung eines Genies «My god Mozart!» bewegte sich die zweite Mannheimer Mozartwoche abseits ausgetretener Pfade - und das mit durchschlagendem Erfolg. Mike Svoboda ist einer der weltbesten Posaunisten. Er verleiht seinem sperrigen Instrument eine Schwindel erregende Beweglichkeit, glänzt als Virtuose neuer E-Musik genauso wie als fetziger Jazzer und verfügt über die nötige künstlerische Intelligenz und das umfassende musikhistorische Wissen, um auch als «Performer» zu überzeugen.  ... ein facettenreiches, respekt- und liebevolles musikalisches Porträt.- Stuttgarter Zeitung

Svobodas Mozart ... Ein bunter Reigen zwischen Jazz und Avantgarde dreht sich um dessen Oper "Così fan Tutte" aus dem Revolutionsjahr 1789, die in allerlei Zitaten, ob von Platte oder als melodisches Fragment, immer wieder als Referenz erscheint. Im nahezu ausverkauften Kammertheater wird Svoboda auch diesmal wieder von namhaften Interpreten wie etwa dem Gitarristen Frank Kuruc und dem Schlagzeuger Michael Kiedaisch unterstützt. ... Besonders die sympathische und überaus komische Sängerin und Geräuschemacherin Lou Simard erweist sich als kongeniale Ergänzung zu Svobodas lakonischer Art. ... Nach achzig Minuten guter und anspruchsvoller Unterhaltung freuen wir uns richtig auf den nächsten Komponisten, der in Svobodas musikalische Mangel gerät. - Stuttgarter Nachrichten 

 

Programmtext

Opulent - kongenial - kunstvoll: Güteklasse »Ah!« Mike Svobodas Hommage »My God Mozart!« von Ingo Ahmels, d'c records, Bremen

Das neueste Werk aus der stets spitzen Feder des amerikanisch-schwäbischen Tausendsassas, Posaunencracks und Komponisten Mike Svoboda kommt, trotz Premiere am hochedlen Mannheimer Nationaltheater, eher schlicht und bescheiden daher, in der kommunikativen Form eines theatralisierten Kammerkonzertes. Wer Svoboda, den sympathisch-seriösen Schalk, je live erlebte, ahnt natürlich, dass das unprätentiöse Äussere deutlicher Hinweis auf gediegene Inhalte ist. Svoboda bietet in seinem »Singspiel über die Vergötterung eines Genies«  opulente Kost für Aug' und Ohr und abermals ein Stück »mit power und poetry« , das keine Wünsche offen lässt. Mozart hätte es heute wohl ganz ähnlich gemacht und wahrscheinlich genau wie Komponist Svoboda aus dem Vollen geschöpft. Liebevoll und frech geriet ihm die Hommage an »Amadé« und dessen »Idolisierung«. Geheimes Thema des Stückes ist jedoch die »Liebe in allen Lebenslagen«.

Svobodas profunde Kenntnisse nahezu des gesamten musikalischen Spektrums von Klassik, Jazz und Pop bis zur Avantgarde fließen souverän und spielerisch in seine Musik ein, durchaus einem Mozart vergleichbar, nur daß der sich vor gut 250 Jahren in einer weit weniger komplexen Umgebung und deutlich übersichtlicheren geistigen Umwelt zu orientieren hatte. Umso höher ist eigentlich Svobodas außergewöhnliche Leistung in »My God Mozart« zu bewerten. Kaum ein Komponist unserer trotz gegenteiligem Selbstverständnis engstirnigen und banausischen Zeit zeigt sich im globalen Medien-Wirrwarr der Verfügbarkeit von Allem und Jedem noch derart stilsicher und »gebildet« wie er; »nebenbei« vermag Mike Svoboda als geradezu singulärer Interpret dem Instrument Posaune Unglaubliches zu entlocken, auch in diesem Punkt dem großen Mozart auf dem Hammerflügel nicht ganz unähnlich.

Svobodas Komposition orientiert sich an der Folie der farbenfrohen DaPonte-Oper »Cosi fan tutte«, in der die Frage nach Liebe und Liebesfähigkeit aufgeworfen und zeitgemäss beantwortet bzw. offengelassen wurde. Svoboda schlägt unaufdringlich und sehr organisch Brücken von »seinem« Mozart, zu Stendhals Liebesphilosophien und Werthers Weltschmerz, findet überzeugende musikalische Links ins 20. Jhdt. zu den ohrwürmenden Plattheiten des Rappers Olli P. und dem Gefühlsleben der Teenie-Fans, zum wortgewandten Hildesheimer, zu fetzigen Jazzgrooves und Elvis, dem King, zu komplexen Kompositions- und Klangmanipulationstechniken der Avantgarde und scratchenden Deejays.

Das Ergebnis, ein reichhaltiges und dabei feinsinniges Gemälde aus Gesang, Geräuschen, singender Säge, Soundloops, E-Gitarren, Plattenspieler, Akkordeon, Drums und Posaune, klingt - wen überrrascht's? - wie dem Quartett »DJ Cherubino« auf den Leib geschneidert. Gewohnt kongenial agieren Svobodas hochkarätige Mitmusiker, der feinfühlig-fetzige Perkussionist Michael Kiedaisch und der kraftvolle, dabei dezent-virtuose Gitarrist Frank Kuruc. Gelungen ist auch der Schachzug des routinierten Entertainers und Bandleaders Svoboda, in dieser Show erstmals seinem Publikum und sich selbst einen vollwertigen weiblichen Kontrapunkt zu gönnen. Mit der formidablen kanadischen Sängerin und urkomischen Geräuschemacherin Lou Simard gerät das musikalisch-szenische Geschehen fast wie von selbst jederzeit zu einem spannenden Unterfangen mit reichhaltigen Verwicklungen, das vielfältige Assoziationen freisetzt.

Tiefe und Komik, spielerische Heiterkeit, dialogische und gedankliche Dichte kommen in der DJ- Cherubino-Quartett-Konstellation gleichermaßen zu ihrem Recht, eine Mixtur, die selbst denjenigen Teilen des Publikums nahezugehen vermag, die vielleicht bloß auf Unterhaltung aus waren, aber dank der hohen Qualität dieses facettenreichen Stückes und seiner inspirierten Bühnenumsetzung plötzlich persönlich berührt sind.

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