Mike Svoboda: Studien zu "Adorno (sex, drugs and New Music)"

Studien zu "Adorno (sex, drugs and New Music)": Phil Minton, Stimme

(2007) 40' / für Stimme, 8 Musiker und Videoprojektion

featuring Phil Minton, Stimme

mit

Harald Kimmig, Violine
Fried Dähn, Violoncello
Stefan Hussong, Akkordeon
Mike Svoboda, Posaune
Wolfgang Fernow, Kontrabass
Michael Kiedaisch, Schlagzeug
Thomas Neuhaus, Live-Elektronik
Philipp Stangl, Live-Elektronik
Dietrich Hahne, Videos

Kompositionsauftrag des Saarländischen Rundfunks, Uraufführung Mai 2007 im Rahmen des Festival Mouvement unter der Leitung von Wolfgang Korb

Instrumentation

Stimme
zwei Ensembles
  • Violine
  • Akkordeon
  • Violoncello
  • Live-Elektronik
  • Posaune
  • Schlagzeug
  • Kontrabass
  • Live-Elektronik

Videoprojektion

Programmtext

Frank Zappas Aussage über Jazz möchte ich paraphrasieren: "New Music is not dead, it just smells funny" ("Neue Musik ist nicht tot, sie riecht nur komisch"). Ich bin bei weitem nicht der Erste, dem die Suche nach neuen Ausdrucksmitteln und -formen den wichtigsten Antrieb für sein Schaffen liefert. Doch eine gewisse Nostalgie nach den Zeiten, wo Neue Musik tatsächlich noch Neuland eröffnete, habe ich schon. Ich sehne mich in diese Jahre zurück, in denen man entdecken und forschen konnte, wo Erneuerungen und neue klangliche Möglichkeiten zum Inhalt wurden. Jedoch spätestens seit Anfang der 80er Jahre sind die neuen Spieltechniken, Aufführungsformen und Medien mehr oder weniger ausgeschöpft. Dieser Drang nach Neuem spielt zumindest für mich nicht mehr eine so große Rolle. Jedoch ist es mir seit langem ein Anliegen, über diese Sehnsucht nach Aufbruch und Umbruch, nach den Zeiten, in denen Neue Musik wirklich neu war, ein Musiktheaterstück zu schreiben. Diese Studien zu "Adorno (sex, drugs, and new music)" sind ein Vorantasten, um auszuloten, in welche Richtung und in welche Formen sich ein solches Werk entwickeln könnte.

Als ich 1982 nach Deutschland kam, war Theodor W. Adorno ein omnipräsenter, unausweichlicher Begriff, welcher für mich mit der Erneuerung der öffentlichen, vom Rundfunk gesteuerten Ernste-Musik-Landschaft der Nachkriegs-Bundesrepublik verbunden war. Für mich gäbe es keine Darmstädter Schule, aber auch keine Verneinung all dessen, was musikalisch mit Pathos zu tun hat und im Dritten Reich missbraucht wurde, ohne Adorno.  In Dietrich Hahnes Videoarbeit für Studien zu "Adorno (sex, drugs and new music)", die nach Struktur und Pilotspur der Komposition angelegt ist, dienen Filmausschnitte mit Theodor W. Adorno als visuelle Zitate, aber auch Bildmaterial der 68er Studentenbewegung, die - zum Ärgernis Adornos - seine Texte als Zündstoff verwendet hat.
(Mike Svoboda im März 2007)

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